Alfred Bauer – Täter oder Mitläufer?

Auf der Hamburger Web-Seite “Haus der Pressefreiheit” wird an Alfred Bauer erinnert. “Er wurde am 14. April 1898 geboren. Sein Vater war der Firmengründer und seine Enkelin ist die heutige Chefin der Bauer Media Group.” Alfred Bauer war Geschäftsführer des Heinrich Bauer Verlages. 1961 tritt sein Sohn, Heinz Bauer, ins Unternehmen ein. In die Zeit von Alfred Bauer fiel das nationale Wachstum der Unternehmensgruppe zu einer der größten Zeitschriftengruppen Deutschlands.

Die Bauer Media Group führt auf ihrer Homepage die Unternehmensgeschichte seit der Gründung im 19. Jahrhundert kurz auf, sagt aber nichts über ihren Werdegang in der Nazi-Zeit. Neueste Recherchen vermitteln erstmals öffentlich ein anderes Bild über das NSDAP-Mitglied Alfred Bauer. Es gibt mehr über ihn aus der NS-Zeit und das Unternehmen zu erzählen, dessen Aufbereitung nach 1945 und den Umgang mit den Lehren aus dem Hitlerfaschismus.

1935 wurde Alfred Bauer Mitinhaber der Heinrich Bauer OHG, neben seinem Vater, Heinrich Bauer. Davor war er bereits Druckerei- und Verlagsleiter. Nach eigenen Angaben war er ab 1940 Mitglied der NSDAP. Man habe ihn bedrängt, NSDAP-Mitglied zu werden, hatte er gegenüber der britischen Militärregierung 1949 geäußert. Er gab außerdem an, dass er auch Mitglied des faschistischen Wohlfahrtsverbandes (NSW, „Nationalsozialistische Winterhilfe“) gewesen sei. Seine Mitgliedsbeiträge an die NSDAP habe er ab 1943 eingestellt.

War Alfred Bauer als Nazi auch ein direkter Täter? Ihm ging es offenbar vorangig eher darum, weiterhin unternehmerisch tätig zu sein. Und dafür billigend in Kauf zunehmen, Mitglied einer verbrecherischen Vereinigung zu werden. Er konnte sich offensichtlich, wie es die wenigen Informationen belegen, die es über seine Vermögenslage gibt, sehr gut damit arrangieren. Da es einen Konflikt mit den Nazis um seinen Vater als Betriebsleiter gegeben hatte, löste das Vater-Sohn-Gespann diesen 1935 so auf, dass Alfred Mitinhaber und 1937 Geschäftsführer wurde.

Die Bauers betrieben in der NS-Zeit ihr Zeitschriftengeschäft oder kauften auf. So beteiligten sie sich auch an Reedereien in Hamburg. Oder an Hussmann & Hahn in Cuxhaven, die Fischerei-Schiffe betrieben, welche mit Beginn des Zweiten Weltkrieges in die Kriegsmarine übergingen. Es wurden in dieser Zeit, als Alfred Bauer Mit-Gesellschafter war, Schiffe vom Stapel gelassen, die Namen wie “Gauleiter Förster” (1937), “Gauleiter Telschow” (1937), “Gauleiter Bürkell“ (1938) und “Gauleiter Böhle” (1939) trugen.

Ab 1936 profitierte Alfred Bauer von der “Arisierung” der Nazis in Deutschland. Die Juden wurden aus ihren Berufen und Unternehmen vertrieben, ihr Leben eingeschränkt. Sie sollten aus Deutschland gedrängt werden. Später gingen die Nazis den Weg der Vernichtung der jüdischen Menschen in Deutschland und in den von ihnen besetzten Gebieten. Die Progrome am 9./10. November 1938 ließen die massive Zerstörung jüdischen Eigentums und deren Glaubenshäusern zu.

Alfred Bauer erwarb bis Ende 1938 Geschäfte und Immobilien von flüchtenden jüdischen Familien. Damit begann für diese ein weiterer tragischer Weg in die Enteignung und Vernichtung. Teilweise konnten sie nach England oder in die USA fliehen. Aber es gab auch viele Menschen, deren Eigentum im Zuge der Arisierung gekauft wurden und deren Leben mit dem Tod durch die Nazis endete. Alfred Bauer wehrte sich gegen jüdische Rückerstattungsansprüche nach 1945. Es ist kein Wort der Anteilnahme am Schicksal der jüdischen Menschen, deren Eigentum er erwarb, öffentlich bekannt.

Die folgenden Seiten blicken auf Alfred Bauer als Unternehmer in den Jahren 1933 bis 1952.

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