Das Schicksal von Elfriede und Bernhard David, Else und Lampert Leopold

Elfriede und Bernhard David, Else und Lampert Leopold mussten die Hoheluftchaussee 91 an Alfred Bauer verkaufen. Die Nazis zwangen sie zum Verkauf von Grund und Boden. Der Verkauf sollte ihnen wenigstens die Mittel für die Emigration geben, doch sie wurden ausgeplündert durch den Nazi-Staat. Ihre Kinder konnten den Terror durch Flucht überlebten. Was wurde aus den vieren, deren Haus in der Hoheluftchaussee 91 Alfred Bauer unter Ausnutzung der Zwangslage kaufte? Keiner überlebte den Hitlerfaschismus, da sie nicht aus Deutschland fliehen konnten.

Elfriede David und Bernhard David

Elfriede David wird am 25. Januar 1884 in Hamburg geboren. Ihre Eltern sind Hermann und Emilie Perutz, geborene Dessauer. Am 21. August 1903 heiratet sie Bernhard David. Sie hatten zwei Kinder: Franz Werner (04.06.1904) und Walter David (31.01.1908).

Die Familie David lebten in der Parkallee 10 in Hamburg und später im Jungfrauenthal 20. Nachdem 1935 die “Nürnberger Gesetze” erlassen worden waren, zogen sie in eine kleinere Wohnung, in die Curschmannstraße 6. Aber auch diese Wohnung mussten sie auf Anordnung der Behörden verlassen und wurden in die beengten Verhältnisse eines so genannten ‚Judenhauses’ in der Heimhuder Straße 70 einquartiert. Die Söhne hatten zu diesem Zeitpunkt ihre Heimatstadt bereits verlassen.

Bernhard David wird am 29. Juli 1869 in Hannover geboren. Er wird auch nach dem Verkauf seines Eigentums von den Nazis verfolgt und ausgeplündert. Ab Juni 1942 liegt er aufgrund einer schweren Herzerkrankung im Hospital. Am 23. Juli 1942 stirb er.

Als Elfriede David von der Gestapo die Aufforderung erhielt, sich für ihre Deportation nach Theresienstadt bereitzuhalten, zog sie für sich die Konsequenzen als sie mit einer Überdosis Schlafmitteln am 14. Juli 1942 aus dem Leben schied.

Sie schreibt im Juli 1942 einen Abschiedsbrief an ihre Kinder:

Meine heißgeliebten Kinder:
Wenn Ihr diesen Brief bekommt, dann schlafe ich wahrscheinlich schon lange, aber vorher muss ich nochmals mit Euch sprechen, Ihr könnt Euch nicht vorstellen was wir gequält wurden. Außerdem ist Vati seit sechs Wochen schwer krank, es geht mit ihm zu Ende.

Nun werden wir diese Woche evakuiert, ich werde gezwungen mitzugehen. Vati soll alleine hier bleiben, es ist schrecklich, er darf es gar nicht wissen. Wenn ich daran denke, was sie da mit einem machen, dann denke ich es ist doch besser man nimmt sein Veronal und schläft ruhig ein.

Ihr braucht es nicht zu bedauern, gerne hätte ich Euch, meine geliebten Kinder, nochmals wiedergesehen. Ihr seid in meinen Gedanken bis zuletzt, mein süßer Charlie , mein geliebter Franz, mein lieber, lieber Walter, meine gute Luise, werdet glücklich. Möge Euch das Schicksal vor solcher Gewalt bewahren!
Ich küsse Euch
In Liebe Mutti

Else Leopold und Lambert Leopold

Else Leopold wird am 8. März 1891 in Hamburg geboren. Ihre Eltern sind Hermann und Emilie Perutz, geborene Dessauer.

Lambert Leopold, am 30. August 1890 als Sohn des jüdischen Kaufmanns Leyser Leopold und dessen Ehefrau Meda, geb. Stern, in Hamburg geboren, wurde nach einem Studium der Rechtswissenschaften und dem Referendariat am 6. September 1920 zum Assessor und am 1. Februar 1921 zum Richter am Landgericht Hamburg ernannt. Er war verheiratet mit Else Perutz (geb. am 8.3.1891). Aus der Ehe gingen die in Hamburg geborenen Kinder Hanna Deborah (geb. 1919) und Ludwig (geb. 1926) hervor. Die Kinder konnten 1939 Deutschland verlassen und emigrierten in die USA bzw. nach Schweden.

Else und Lambert Leopold versuchten noch im selben Jahr, nach Palästina oder England zu flüchten, was ihnen jedoch nicht mehr gelang. Zum 25. Oktober 1941 erhielten sie ihren Deportationsbefehl nach Lodz, von wo sie am 15. Mai 1942 nach Chelmno (Culm) verschleppt und dort vermutlich gleich nach ihrer Ankunft in einem Gaswagen ermordet werden.

Frank Bajohr, Ariesierung in Hamburg, Hans Christians Verlag, 2007

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