Waren die Bauers Antifaschisten?

Bauers Anwalt Harry Soll schreibt am 28. Februar 1949 an den Beratenden Ausschuss für das Pressewesen in Hamburg, dass Heinrich Bauer, der Vater von Alfred Bauer, “als aktiven Antifaschisten die Lizenz bevorzugt zu erteilen (sei), und damit zugleich das über ihn von den Nationalsozialisten verhängte Berufsverbot wieder gutzumachen. Jede weitere Hinauszögerung der Lizenzerteilung wirkt sich als eine Aufrechterhaltung des ihm von den Nationalsozialisten zugefügten Unrechts aus.”

Staatsarchiv Hamburg,
135-4_39 Erteilte Zeitschriftenlizenz Nr. 39 Band 212

1948/1949 hatte Heinrich Bauer einen Lizenzantrag zum Wiedererscheinen der (Neuen) Funk-Wacht gestellt. In den Verhandlungen über die wiederholt die die Engländer verweigerte Lizenz endete irgendwann die anfängliche Höflichkeit. Rechtsanwalt Harry Soll verschärfte den Ton.

Beispielhalft werden von ihm in den Verhandlungen gegenüber dem Beratenden Ausschuss für das Pressewesen Hamburg 1948/1949 für den “aktiven” Antifaschismus von Heinrich Bauer u.a. die Beendigung der Betriebsführerschaft 1937; die Kündigung zweier Abteilungsleiter, mit nicht genügende nationalsozialistischer Haltung, ständige Konflikte mit dem Reichsverband der Deutschen Presse sowie der Treuhänder der Arbeit und eine Zeichnung in der Funk-Wacht vom 17. März 1935 sowie die allgemeine Rolle der Funk-Wacht im Hitlerfaschismus angeführt.

Das „Berufsverbot“ für Heinrich Bauer

Das “Berufsverbot” von Heinrich Bauer bezog sich auf seine Eigenschaft als Betriebsführer. Nach Darstellung von Helmuth Eggert und des Rechtsanwalts Harry Soll hatte es darüber immer wieder Debatten mit den staatlichen Stellen der Nazis in Hamburg gegeben. Wiederholt hätte das Unternehmen Strafen zahlen müssen, in Höhe von insgesamt 11.000 RM. Gründe für diese Strafgelder sind nicht dokumentiert. Die Nazis attackierten den Verleger der Funk-Wacht offenbar stetig, wollten ihn auf „ihre“ Linie bringen, dem aber offenbar der Unternehmers Heinrich Bauer nicht nachkam.

So gab es u.a. Ende 1936 einen Streit, in dessen Folge Heinrich Bauer seine Leitungsfunktion an seinen Sohn Alfred übergab. „Auf dieser Sitzung wurden die verschiedenen Anwürfe gegen Herrn Heinrich Bauer seitens der Vertreter der Reichspressekammer, Arbeitsfront und des Treuhänders der Arbeit“ vorgetragen“, erklärte ein Beteiligter später.

Allein angesichts der Berufsverbote für die jüdischen Bürger, 1933, aufgrund eines Gesetzes, durch das Juden aus dem Staatsdienst entfernt wurden, ist die Bezugnahme von Soll nicht angemessen gewesen. Durch die Arisierung bis 1938 wurden den Juden ihre Unternehmen und Eigentums geraubt. Erst wurde ihre finanzielle Existenz vernichtet, später ihr Leben zerstört. Heinrich Bauer aber hatte 1935 lediglich 40 Prozent seiner Unternehmens-Anteile an seinen Sohn übertragen. Es wurden keinerlei „Sicherheitsanordnungen“ wegen seines Vermögens erlassen, sodass Sohn Alfred Bauer jüdische Unternehmen und den Grundbesitz von jüdischen Bürgern aufkaufen konnte, für die es kein (Über-)Leben mehr in Deutschland gab.

Staatsarchiv Hamburg, 314-15 David, David, Bernhard Nr. R 1938/2466

Ab 1939 besaß Heinrich Bauer nur noch 50 Prozent Anteile am Unternehmen, aber er litt keine Not, wie man seiner Übersicht über sein Einkommen 1949 entnehmen konnte. Es ist nach derzeitigem Wissenstand nicht bekannt, ob er 1936 bis 1939 wie sein Sohn, Grund und Boden von flüchtenden jüdischen Bürgern kaufte.

Staatsarchiv Hamburg,
135-4_39 Erteilte Zeitschriftenlizenz Nr. 39 Band 212

Alfred Bauer, ab 1937 Betriebsführer der Heinrich Bauer OHG, wehrte sich nach 1945 in einem Verfahren gegen die von Paul Dessauer geltend gemachten Ansprüche aus dem im Dezember 1938 erzwungenen Verkauf seines Hauses und Grundstücks.

Entlassen, weil die Nazis es forderten

Alfred Bauer gab dem Druck der Nazis nach, die gefordert hatten, den Abteilungsleiter der Buchbinderei, Heinrich Denklef, 1936 zu entlassen, weil dieser in einer so genannten Mischehe lebte. Und auch Hellmuth Eggert, Abteilungsleiter der Druckerei, wurde 1939 durch Bauer gekündigt. „… mir wurde der Vorwurf einer mangelnden nationalsozialistischen Menschenführung gemacht“, schreibt Eggert 1949. Bauer rechtfertigte die Kündigung damit, dass es ihm darum ging, das Unternehmen vor der Übernahme durch die Nazis bzw. deren Presseunternehmen zu sichern.

Staatsarchiv Hamburg,
135-4_39 Erteilte Zeitschriftenlizenz Nr. 39 Band 212

Der Streit um die Inhalte der Funk-Wacht 1935

Beim Streit mit der Reichspressekammer ging es um eine Zeichnung in der Funk-Wacht vom 17. März 1935. Am 27. März 1935 wurde ein Verfahren vor dem Berufungsgericht der Deutschen Presse beantragt, weil die Zeichnung der „Gipfel nationaler Würdelosigkeit“ bedeute. Der Landesverband Groß-Hamburg-Lübeck im Reichsverband der Deutschen Presse hielt die Zeichnung allerdings für „belanglos“.

Staatsarchiv Hamburg,
135-4_39 Erteilte Zeitschriftenlizenz Nr. 39 Band 212

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