Kein Problem mit Nazis – z.B. ZUERST

Im Jahr 2010 teilt das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg mit, dass ein neues rechtsextremistisches Nachrichtenmagazin mit dem Titel „ZUERST!“ erschienen sei. Die Startauflage läge bei angeblich 80.000 Exemplaren. Das Nazi-Internetportal Altermedia, das seit 2016 verboten ist, feiert das Blatt als „Medienereignis des Jahres 2009“. Vertrieben wurde die Postille von der Bauer-Tochter VU Verlagsunion, einem Nationalvertrieb, der noch heute kleinauflagige Zeitschriftentitel national und international vertreibt.

Nachdem dies bekannt wurde, wandte sich der damalige Konzernbetriebsrat an die Bauer-Geschäftsleitung und forderte sie mehrfach auf, die Zusammenarbeit mit dem Herausgeber von „Zuerst“ zu beenden. In einem offenen Brief an die Konzernleitung heißt es unter anderem: „Da in den letzten Monaten mit den Serienmorden an Türken und einem Griechen furchtbare Wahrheiten über die Gewaltbereitschaft der deutschen Neonazis bekannt geworden sind, sind wir umso mehr entsetzt, dass der Verlag weiterhin durch die Verbreitung volksverhetzenden Gedankenguts Geld verdient.“ Unterdessen ist in „ZUERST!“ zu lesen, dass die vom Zwickauer Terroristen-Trio Ermordeten „Opfer erster Klasse“ seien. … Die zehn Toten würden bald die Kassen „linksradikaler Anti-Rechts-Vereine klingeln lassen“. Gemeint ist der NSU.

Auch Gewerkschaften und Antifa-Bündnisse demonstrierten vor dem Verlagsgebäude in Hamburg. Uwe Grund, langjähriger Bürgerschaftsabgeordneter der SPD in Hamburg und Hamburger DGB-Vorsitzender, sagte damals: „Bei der Lektüre des Magazins sträuben sich jedem aufrechten Demokraten die Nackenhaare.“

Das 3sat-Magazin „Kulturzeit“ wie auch das NDR-Magazin „ZAPP“ greifen das Thema des Versuchs rechter und faschistischer Kräfte auf, sich einen Magazin-Platz am Verkaufskiosk zu verschaffen.

Trotzdem führte der Bauer Verlag die Zusammenarbeit mit dem Kieler Neonazi Dietmar Munier, Besitzer mehrerer Verlage, die rechte Publikationen herausgeben, weiter fort. Man berief sich auf die Pressefreiheit und dass die Demokratie Meinungsfreiheit aushalten könne. Zu diesem Zeitpunkt war bereits die Enkelin Alfred Bauers, Yvonne Bauer, als Verlegerin tätig. 

Vielleicht bedurfte es erst des gemeinsamen Aufrufs der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände und des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu einer Schweigeminute am 23. Februar 2012 um 12 Uhr, in dem es unter anderem heißt: „Arbeitgeber und Gewerkschaften treten gemeinsam ein für ein Deutschland, in dem Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus keinen Platz haben.“ 

Wie auch immer: Begründet wurde das Ende der Geschäftsbeziehung mit Munier zum 1. Mai 2012 seitens des Bauer-Verlages nie. Angeblich hatte Munier selbst sie aus Kostengründen beendet. Immer noch gibt es den Titel – er ist heute quasi ein Hofblatt für die AfD.

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