Zur Vermögensentwicklung von Alfred Bauer

Zum 1. Januar 1935 wurde Alfred Bauer zu 40 Prozent Mitinhaber des Unternehmens seines Vaters Heinrich, wie es in einem Vertrag vom 14. Mai 1935 rückwirkend vereinbart worden war. 1937 wurde er als „Betriebsführer“. Mit dem Stellungswechsel änderte sich schlagartig seine persönliche wirtschaftliche und finanzielle Lage. Verdiente er 1931 als Druckerei- und Verlagsleiter noch 17.460 RM jährlich, so waren es 1935 schon 99.807 RM. 1936 betrug sein Einkommen 209.706 RM. Das durchschnittliche Monatseinkommen eines Arbeiters lag zu dieser Zeit in Deutschland bei unter 200 RM monatlich, das entspricht einem Jahreseinkommen von unter 2.400 RM.

Staatsarchiv Hamburg,
135-4_39 Erteilte Zeitschriftenlizenz Nr. 39 Band 212

Als Grund für die massive Einkommenssteigerung im Jahr 1935 gibt Alfred Bauer an, dass er zu 40 Prozent Miteigentümer der Heinrich Bauer OHG geworden war. Ab 1937 kamen Einnahmen aus dem Gewerbebetrieb, Grundeigentum und Beteiligungen hinzu. Diese Einnahmen aus Grundeigentum bzw. Vermietung ergaben sich aus dem Kauf vor allem von jüdischem Besitz 1936 – 1939 und den daraus fließenden Mieteinnahmen.

Staatsarchiv Hamburg, 352-8/9 Alfred Bauer Nr. 3309

Später führt er auch den Erwerb des Grundstücks in der Schützenpforte 9 im Juli 1938 an. Dabei soll es sich um den Kauf aus einer Zwangsversteigerung von T. und E. Braun gehandelt haben.

Alfreds Vater, Heinrich Bauer (geb. 1878) gab als alleiniger Inhaber an, dass er 1933 aus dem Gewerbebetrieb ein Jahreseinkommen von 49.252 RM erzielt hätte. Ab 1935 kaufte er auch Immobilien oder hatte Anteile. Schnell stieg dadurch auch sein Einkommen. 1936 waren es bereits 436.059 RM. Ab 1935 hielt er durch die Mitinhaberschaft seines Sohnes noch 60 Prozent der Anteile am Unternehmen. Welchen Grunderwerb Heinrich Bauer von wem ab 1936 aufkaufte, ist nicht bekannt, also auch nicht, ob darunter jüdischer Grundbesitz war. Bekannt ist ein Erwerb von Häusern im Lattenkamp 2-10.

Staatsarchiv Hamburg,
135-4_39 Erteilte Zeitschriftenlizenz Nr. 39 Band 212

Vermögen von Alfred Bauer bis 1940

Dies stellt sich wie folgt dar:

1935193819391940
Betriebsvermögen55.496 RM441.712 RM586.652 RM663.998 RM
Grundvermögen43.499 RM43.499 RM183.700 RM
sonstiges Vermögen8.130 RM2343 RM32.749 RM
Vermögen55.496 RM492.404 RM632.499 RM880.439 RM

Gewinnentwicklung der Heinrich Bauer OHG

Es gibt nur wenig Zahlen über die Gewinnentwicklung der Heinrich Bauer OHG in der Nazi-Zeit. Soweit sie bekannt sind, besagen auch sie, dass das Unternehmen in der Nazi-Zeit weder am Hungertuch noch um seine Existenz ringen musste. 1941 wurde keine Zeitschriften mehr vertrieben, 1943 die Schützenpforte von Bomben getroffen.

193319341935
Gewinn49.252,15 RM110.161,03 RM249.517,86 RM

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