SPD stellt zusammen mit Alfred Bauer einen Lizenzantrag

Der Heinrich Bauer Verlag produzierte nach eigenen Angaben nach 1945 in seiner Druckerei an der Schützenpforte Lottoscheine. Bereits in den Jahren 1945 und 1946 hatte sich Heinrich Bauer bei den britischen Besatzungsbehörden erfolglos um eine Lizenz für die „Neue Funk-Wacht“ bemüht.

Staatsarchiv Hamburg,
135-4_39 Erteilte Zeitschriftenlizenz Nr. 39 Band 212

Nach dem die Lizenzierung von der britischen Verwaltung auf den Hamburger Senat und den Beratenden Ausschuss für das Pressewesen übertragen wurde, unternahm er 1948 einen neuen Versuch und beantragte am 27. September 1948 ein weiteres Mal eine Lizenz für die Herausgabe der „Neuen Funk-Wacht“. Nach längeren Debatten und mehreren Ablehnungen durch den Beratenden Ausschuss des Senats wird ihm endlich unter der Nummer 212 am 9. Juli 1949 die Lizenz erteilt.

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135-4_39 Erteilte Zeitschriftenlizenz Nr. 39 Band 212

Die Debatte um „Die Funkwacht“ in der Nazi-Zeit und merkwürdige Darstellung

Um die Rolle der Funk Wacht in der Nazi-Zeit kommt es im zuständigen Ausschuss zu einer heftigen Debatten. Der lehnt zuerst den Antrag von Heinrich Bauer auf Erteilung einer Lizenz für die „Neue Funk-Wacht“ in seiner ursprünglichen Fassung ab. Wegen der Nazi-Kritik im Ausschuss an seiner Programmzeitschrift überlegt sich Heinrich Bauer, einen neuen Antrag bezogen auf die Herausgeber und weiteren Verantwortlichen zu stellen. Vor dem Ausschuss ging es vor allem um eine Kritik an einer Kurzgeschichte von Ernst Johannsen: „Das Ende des eisernen Mannes“. Angesprochen war u.a. in dem Roman diffamierte Louse Schröder (SPD), die nach 1945 Bürgermeisterin von Berlin-Charlottenburg geworden war. Sie erinnert sich (07.02.1949), das in dem Roman der Hamburger Bürgermeister Brauer und der Senator Kirch verleumdet wurden. „Es waren so offensichtliche Unwahrheiten über mich persönlich und meine Eltern hereingebracht …“

Ernst Johannsen scheint von der Diskussion Kenntnis zu bekommen, denn er schreibt am 2. April 1949 einen Brief an den Beratenden Ausschuss. „Ich habe erfahren, dass sich der Ausschuss …mit der romanhaften Darstellung ‚Das Ende des eisernen Mannes‘ beschäftigt“, um dann zu vermuten, das Ernst Tesloff der Urheber sei. „Tessloff war Redakteur der Harburger SPD-Zeitung. Er ist jetzt offenbar MdB und Verleger.“ Über seinen Kurzroman schreibt er am Ende seines Briefes, dass die Veröffentlichung sicher nicht klug war.

Herr Bauer war kein verantwortungsbewusster Verleger

Der Beratende Ausschuss urteilt im April 1949, dass in dem Roman “die führende Funktionäre der demokratischen Parteien bewusst als unfähig und korrupt hingestellt werden sollten. Der Ausschuss ist der Überzeugung, dass Herr Bauer als verantwortungsbewusster Verleger die Veröffentlichung des Romans in seiner Zeitschrift nicht hätte zulassen dürfen, zumal nicht unter der Titelzeichnung, die für die ersten Fortsetzungen benutzt wurde, und die den Verdacht nahelegt, als ob der Verlag mit dem Roman die damals herrschende ‘Konjunktur’ doch zu sehr ausnutzen wollte.”

Der Historikers Karl Christian Führer setzt sich seinem Buch “Medienmetropole Hamburg. Mediale Öffentlichkeiten 1930-1960” (2009) auch mit dem Roman auseinander, der schon 1933 in der Fucht-Wacht veröffentlicht wurde und bewertet ihn als eine frühe Anbiederung an das NS-Regime. Im Artikel werden Max Brauer und andere sozialdemokratische Mitglieder der Altonaer Stadtverwaltung als unfähige und korrupte „Bonzen“ diffamiert.

Im historischen Nachgang erklärte das Unternehmen 1949 ihr Bedauern. Sollte die Absicht des Roman eine Verunglimpfung von Bürgermeister gewesen sein, “bedauere Herr Heinrich Bauer diese Veröffentlich aufrichtig.”

SPD und Alfred Bauer stellen Lizenzantrag

Heinrich Bauer stellte einen neuen Antrag auf die Lizenz für die „Neue Funk-Wacht“, diesmal mit dem Hamburger Sozialdemokraten Ernst Tesloff. In der Ausschuss-Sitzung vom 25. April 1949 war der Vorschlag gemacht, einen zweiten Antragsteller für die Lizenz mit in den Antrag aufzunehmen. Neben dem SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ernst Tesloff ist es diesmal Alfred Bauer, der im Lizenzantrag aufgeführt wurde.

Staatsarchiv Hamburg,
135-4_39 Erteilte Zeitschriftenlizenz Nr. 39 Band 212

Das gefundene Modell der wirtschaftlichen Beteiligung der SPD/Ernst Tesloff wird vom Beratenden Ausschuss als nicht ausreichend angesehen, da die Mitträgerschaft „nicht die gewünschte Gewähr für die zukünftige künftigen Gestaltung der ‚Neuen Funk-Wacht'“ biete (50/50).

Tesloff fällt später bei der SPD in Ungnade

Anfangs der 1950er Jahre gibt es zwischen der SPD und Ernst Tessloff in einen größeren Konflikt, in den auch Auer-Druckerei der SPD in Hamburg verwickelt war. Als Verleger war er nicht besonderes erfolgreich und benötige Kredite, die er von Auer Druck in Höhe von 37.000 DM erhielt. Diese waren aber an den Büchern des Druckerei vorbei über den damaligen Geschäftsführer an Tesloff bzw. dem Akros Verlag geflossen. Bei einer Revision der Auer Druckerei 1955 fiel Bilanzmanipulation auf. Der Hamburger SPD-Führungsspitze galt Tesloff, trotz seiner Rolle als Widerstandskämpfer in der NS-Zeit als „windiger Bankroteur, dem man auf keinesfalls Kredit einräumen kann.“ (Christel Oldenburg, Tradition und Modernität- die Hamburger SPD von 1950 – 1966, LIT Verlag, 2009, Seite 550).

Robert Platow (später Platow-Briefe) wird Gesellschafter an der „Neuen Funk-Wacht“

Am 23. Juni 1949 informierte Rechtsanwalt Soll, dass der Antrag auf die neuen Herausgeber zurückgenommen wird und das es zwei neue Lizenzträger geben soll. Zum einen Heinrich Bauer, zum anderen Dr. Robert Platow. Wirtschaftlich beteiligt sich Dr. Platow zu 50 Prozent an der „Neuen Funk-Wacht“, im Gegenzug wird die Firma Heinrich Bauer zu 49 Prozent Eigentümer am Drei-Federn-Verlag von Platow, der die Zeitschrift „Funk-für dich“ herausgibt. Weiter wird Dr. Robert Platow Chefredakteur der „Neuen Funk Wacht“. Am 9. Juli 1949 wird die Lizenzantrag mit Auflagen beschlossen.

Nach 1949 verschwindet die Lizenzpflicht. Die Zeitschrift “Funk für dich” aus dem Drei-Federn-Verlag wird ab 1950 nicht mehr bei der IVW geführt.

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