Die „Funk-Wacht“ – ein Nazi-Blatt?

Nach Angaben der Bauer Media Group ist die “Funk-Wacht” die erste Programmzeitschrift, die die Geschichte des Unternehmens als Zeitschriftenunternehmen mitbegründet hat. Die “Funk-Wacht” erschien ab 1926 unter dem Titel “Rundfunkkritik”. Sie kam nach der Übernahme der Rundfunkzeitschrift vom Norddeutschen Rundfunk, “Die NORAG”, zu ihrem abschließenden Namen. Ob Ende 1932 oder erst im Herbst 1933 ist nicht sicher zu ermitteln.

Heinrich Bauer hatte zu den Nazis keine Nähe, war auch nicht wie sein Sohn, Alfred Bauer, Mitglied in der NSDAP. Er wollte offenbar in jeder Hinsicht unabhängig bleiben und frei von jedweden politischen Einflüssen unternehemrisch agieren. Geschäfte machen, Ergebnisse erzielen, seinen Reichtum und den seiner Familie mehren. Und seine Besitztümer ausweiten: Der erwirtschaftete Gewinn floß nicht nur zurück ins Unternehmen: Heinrich Bauer kaufte wie sein Sohn weiteres Grundeigentum. Das er diesbezüglich auch recht störrisch sein konnte, lässt der Fakt vermuten, dass ein Konflikt mit seinen Mietern in der Schützenpforte 11 im Jahr 1931 erst vor Gericht gelöst werden konnte. Sie wollten aus dem Mietvertrag mit Bauer raus, da die Bedingungen im Haus für sie offenbar unzumutbar waren.

Staatsarchiv Hamburg, 377-8 Mietestreitigkeit mit der Firma Heinrich Bauer, Hamburg,
Nr. 27

Die Rolle der Funk-Wacht in der NS-Zeit

Nur ein Unternehmer sein – das hätte Alfred Bauer vermutlich auch gefallen. Aber er wurde zu anderen Zeiten als sein Vater unternehmerisch aktiv, konnte die Politik nicht fernhalten. Oder wollte es auch gar nicht. Denn dass er gezwungen wurde, in die NSDAP einzutreten, ist nicht belegt, er hat es behauptet. Wohl oder übel musste er zudem auch als Verleger Nazipropaganda in seinen Titeln abbilden. Er trug mit mit dazu bei, dass in der Nazi-Diktatur Normalität vorgaukelt wurde. Zu dem „nur Unternehmer sein“ unter den Nazis schrieb der Oberspielleiters der Norddeutschen Sendergruppe (bis 1935), Hans Freund, später: „Dass auch die Funk-Wacht in jener Zeit in ihren Bildberichten Parteiveranstaltungsbilder brachte, wie jede andere deutsche Illustrierte, kann man nicht als besondere Propaganda werten.“ Eine Einschätzung, der man schon lange hätte widersprechen müssen.

Die Medien müssen unterhaltend sein und Erziehungsarbeit leisten

Den Wert der Medien im Hitlerfaschismus brachte der stellvertretende Reichssendeleiter in einer Ausgabe der „Funk-Wacht“ aus 1936 so zum Ausdruck: die Medien müssen unterhaltsam sein, um durch aufgelockerte Erziehungsmethoden flexibel sein, um den Weg „zur Kultureinheit und Volksgemeinschaft“ zu vollenden.

Unterhalten, manipuliert, darin bewegte sich auch die „Funk-Wacht“. Was 1949 im Rahmen des Lizenzverfahren von Unternehmen an fast schon „antifaschistischer Gesinnung“ verklärt wurde, ist im Abbild der Ausgaben eine völlige Täuschung des Inhalts, der Funktion der Zeitschrift, aber auch der redaktionellen Haltung. Hier eine kleine Zusammenstellung der Inhalte der „Funk-Wacht“.https://alfredbauerverleger.wordpress.com/funk-wacht-ausgaben/

Der Streit mit den Nazis um die “Funk-Wacht” vom 17. März 1935

Die beiden Bauers versuchten nach 1945, sich als Opfer der Nazis darzustellen und verweisen auf einen Vorgang aus 1935. In diesem Jahr gab es ein Verfahren vor der Reichspressekammer. Es bezog sich auf die Ausgabe der „Funk-Wacht“ vom 17. März 1935. Vordergründig ging es um eine Zeichnung. Aber die Argumente gegen Bauer machen deutlich, dass es darum ging, Druck auszuüben, um im Sinne der Nazis zu funktionieren. Offenbar mit Erfolg: Trotz des Streits, in der zudem auch in einem vom Ausschuss der Rundfunkschriftleiter als “Gipfel nationaler Würdelosigkeit” bezeichnet wurde, erlebte das Blatt später einen Aufschwung. Die „Funk-Wacht“ war und wurde allerdings kein Parteiblatt der NSDAP. Sie kam auch nicht zum Eher-Verlag, einem den nazi-eigenen Unternehmen, sondern blieb in Bauer-Händen.

Heinrich und Alfred Bauer verdienten unter den Nazis gut

So war waren die NS-Jahre es für Bauer eine Zeit des Prosperierens: Betrug der Gesamtumsatz des Heinrich Bauer Verlages mit seinen Titeln 1933 noch 1,093 Mio. RM, waren es 1935 bereits 2,045 Mio. RM, der Bilanz-Gewinn lag 1935 bei 249.517,06 RM. Die Auflage der Bauer-Zeitschriften betrug 1933 167.000, 1935 waren es 466.000.

Staatsarchiv Hamburg, 313-9, Bauer, Alfred, Nr. 4910

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