Der Kauf der Schützenpforte 11

Heute gibt es die Straße „Schützenpforte“ nicht mehr, auch nicht die Wohn-und Gewerbehäuser im damaligen Straßenzug. 1953 wurde der Straßennamen aufgehoben, da hier ein neues Verlagshaus und Druckerei des Heinrich Bauer Verlages gebaut wurde.

Alfred Bauer gab in seinem Entnazifizierungsverfahren 1949 an, dass das Grundstück an der Schützenpforte 11 vom Unternehmen im Jahr 1924 von der Stadt Hamburg für 485.000 RM gekauft wurde.

Im Juli 1938 kaufte das Unternehmen die Schützenpforte 9 von E. und T. Braun für 40.500 RM hinzu, aus einem – so stellt es Alfred Bauer dar – Zwangsverkauf.

Staatsarchiv Hamburg, 311-3 I Verkauf eines Grundstückes an der Burchardstraße , Nr. 385

Das Grundstück an der Schützenstraße 11 wurde aber nach vorliegenden Unterlagen bereits 1921 von Alfred Bauers Vater, Heinrich Bauer, für 207.750 RM von der Stadt Hamburg gekauft. Welches nun der Grund für den anderslautenden, sehr viel höheren, Betrag aus dem Jahr 1924 ist, ergibt sich aus den vorliegenden Unterlagen nicht.

Staatsarchiv Hamburg, 324-1 Schützenpforte 11, Nr. K 5231

Heinrich Bauer besaß im 19. Jahrhundert eine Druckerei im Billhorner Mühlenweg 70. Im Jahr 1924 erfolgte die Kündigung des dortigen Mietvertrages. Ihm selbst, so schrieb Heinrich Bauer, sei „nichts anderes übrig (geblieben), um mit meiner Druckerei … den vom Staat gekauften Bauplatz im Mai vorigen Jahrs (1924) zu bebauen… Unter den schwierigen Verhältnissen habe ich es ermöglicht, meine Druckerei Anfang diesen Jahres (1925) nach hier her zu verlegen.“ Der Baubescheid erging im August 1924.

Staatsarchiv Hamburg, 324-1 Schützenpforte 11, Nr. K 5231

Aus dem Bauplan ergibt sich zudem, dass im unteren Teil des Hauses die Gewerberäume entstehen sollten.

Staatsarchiv Hamburg, 324-1 Schützenpforte 11, Nr. K 5231

Da Heinrich Bauer nicht rechtzeitig mit dem Bau seiner neuen Druckerei fertig wurde, wurden ihm Druckaufträge wie zum Beispiel für die „Norddeutsche Rundschau“ entzogen. Er beklagte diese Entscheidung in einem Brief vom 29. November 1924 an die Baupolizeibehörde.

Staatsarchiv Hamburg, 324-1 Schützenpforte 11, Nr. K 5231

1943 wurde Bauer selbst Opfer des Krieges: Nach seinen Angaben wurde ein Teil der Bauten auf dem Grundstück Schützenpforte 11 zerstört. “Das betriebseigene Verwaltungsgebäude in der Schützenpforte brannte völlig aus, … der Maschinenpark, abgesehen von geringfügigen Beschädigungen, … erhalten blieb.”

Nach Kriegsende konnte Bauer zunächst noch nicht frei über seine Gebäude verfügen: Um die Wohnungslosigkeit in Hamburg zu mindern, wurde von Amtswegen für seine noch stehenden Gebäude an der Schützenpforte 11 verfügt, dass die Räume vom 4. bis 7. Stockwerk, die bisher als Lager genutzt wurden, für Wohnungszwecke zu nutzen seien. Ob nun aus Sorge um die künftigen Mieter oder aus Verärgerung, dass er seine Räume nicht so nutzen durfte wie er wollte, schreibt Heinrich Bauer an die Baupolizei im September 1946, dass er jede Verantwortung für entstehenden Schaden der Mieter ablehne.

Staatsarchiv Hamburg, 311-3 I Verkauf eines Grundstückes an der Burchardstraße , Nr. 385

1949 wird der Antrag auf Wiederherstellung des Dachgeschoßes und der Wiederaufbau eines Lastenaufzuges genehmigt.

Staatsarchiv Hamburg, 311-3 I Verkauf eines Grundstückes an der Burchardstraße, Nr. 385

1952 plant das Unternehmen den Ausbau seiner Druckkapazitäten durch den Kauf einer Tiefdruck-Rotation. Der Druck seiner Zeitschriften soll endlich im eigenen Unternehmen, und nicht mehr bei Broschek, das damals noch in der Innenstadt angesiedelt war, erfolgen. Um dieses Vorhaben zu realisieren, bedurfte es eines größeren Gebäudes als es die in der Schützenpforte 11 bestehende Grundfläche ermöglichte. Also erwarb der Heinrich Bauer Verlag 1953 von der Stadt Hamburg ein an der Buchardstraße gelegendes Grundstück mit einer Fläche von rund 570 qm.

Staatsarchiv Hamburg, 311-3 I Verkauf eines Grundstückes an der Burchardstraße , Nr. 385

Im Anschreiben vom 28. April 1953 an den Hamburger Finanzsenator, Dr. Walter Dudek, SPD, erklärt Bauers Wirtschaftsprüfer, Wilhelm Bräuer, den Anlass zum Grundstückerwerbs und die Anschaffung einer neuen Maschine. „Die Firma Heinrich Bauer muss … bei der Finanzierung in Rechnung stellen, dass nicht nur die Anschaffung der Maschine, sondern auch die notwendigen Räumlichkeiten Berücksichtigung finden.“ Der gesamte Investitionsbedarf betrug für die neue Rotationsmaschine 500.000 DM, für den Grundstückskauf (140.000 DM) und für den Bau des Gebäudes für die Druckmaschine 250.000 DM ein Gesamtvolumen in Höhe von 890.000 DM. In Anbetracht der großen Summe wurde daher auch geprüft, ob die Möglichkeiten der Bauers ausreichten.

Staatsarchiv Hamburg, 311-3 I Verkauf eines Grundstückes an der Burchardstraße , Nr. 385

Bauers Wirtschaftsprüfer, Wilhelm Bräuer, schreibt dazu an Dudek: „Da … Fremdkapital auf dem Kapitalmarkt nicht zu haben ist, wird die Firma Heinrich Bauer ihres Investitionsprojekt nur durchführen (können), wenn sie hierbei auf die verständnisvolle Hilfe des Finanzsenators rechnen kann.“ Praktisch ging es dem Unternehmen um Sondergenehmigungen bei den Abschreibungen der Neuinvestitionen.

In der Finanzierung des Kaufs des Grundstücks kommt Bauer seine zur Nazizeit erworbenen Grundstücke von Juden zu Hilfe: Zur Sicherung der Gesamtfinanzierung der neuen Maschine und des Gebäudekaufs verweist Alfred Bauer auf sein persönliches Eigentum sowie von seinen Grundstücken und denen seiner Familie. Dazu gehören u.a. die von vertriebenen Juden erworbenen Grundstücke und Gebäude wie das Haus an der Schönen Aussicht 22.

 

Staatsarchiv Hamburg, 311-3 I Verkauf eines Grundstückes an der Burchardstraße , Nr. 385

Mit dem Bauvorhaben entlang der Burchardstraße wurde die bisherige Straße Schützenpforte eingeebnet. Sie würde heute mitten durch das Verlagsgebäude der Bauer Media Group an der Buchardstraße 11 gehen.

Staatsarchiv Hamburg, 311-3 I Verkauf eines Grundstückes an der Burchardstraße , Nr. 385

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