Der Kauf eines jüdischen Unternehmens durch Alfred Bauer

Die Heinrich Bauer OHG oder deren Gesellschafter kaufte nicht nur Grundstücke und nutze die Lage der jüdischen Menschen für ihre wirtschaftlichen Ziele aus. Das „Kaufhaus Hoheluft“ von Paul Dessauer wurde ebenfalls durch Alfred Bauer „arisiert. Er kaufte neben dem Eppendorfer Weg 221/Hoheluftchausssee91 auch das angrenzende Grundstück Hoheluftchaussee 91 von Elfriede und Bernhard David sowie Else und Leonhard Lampert. Paul Dessauer betrieb das „Kaufhaus Hoheluft“ in der Hoheluftchaussee 91. In seinem Mietshaus gab es u.a. ein Ladengeschäft Krentz & Co. Dieses gewerbliche Mietverhältnis, so kann man im Kaufvertrag lesen, wurde zum 31. Dezember 1938 gekündigt und Krentz übernahm das „Kaufhaus Hoheluft“, zusammen mit der Heinrich Bauer OHG.

Staatsarchiv Hamburg, 314-15 Dessauer, Paul Nr. R 1938/3623

Bauer gibt an, am Unternehmen Walter Krentz KG seit 1938 beteiligt gewesen zu sein. „Die Käufer … haben sich zu einer K.G. zusammengeschlossen… Inventar und Warenlager wurde übernommen, ‚good will‘ wurde nicht gezahlt“; so Dessauer in seinem Wiedergutmachungsantrag.

Später wurde als Eigentümer des Kaufhaus Hoheluftchaussee der Heinrich Bauer Verlag im Hamburger Adressbuch bis 1966 aufgeführt. Das Kaufhaus wurde 1994 aus dem Handelsregister gelöscht.

Wie die Vertreibung durch die Nazis funktionierte

Walter David, eines der Kinder von Bernhard und Elfriede David, von denen Alfred Bauer die Hoheluftchaussee 91 kaufte, musste das Geschäft der Familie Perutz 1938 einstellen. Seit 1931 war er Alleininhaber. Wie der Antisemitismus der Nazis ökonomisch funktionierte, wird in seinem Wiedergutmachungsverfahren bezüglich seiner beruflichen Nachteile in den 1960er Jahre sichtbar: Ab1933 waren die Umsätze der Firma Perutz, Großhandel mit Fahrrad- und Radio-Artikeln, erheblich eingebrochen. Nach 1937 habe er, “da den Fabrikanten verboten worden sei, an jüdische Geschäfte zu liefern, seinen Betrieb nicht mehr fortführen können.” Walter David verdiente 1933 1.509,05 RM, 1937 4.107,40 RM. 1938 hatte er einen Verlust von – 14.549,59 RM zu verzeichnen. Heinrich und Alfred Bauer hatten nach eigenen Angaben in den Jahren 1935 – 1937 immer wieder Ärger mit den Nazis. Das Jahres-Einkommen von Alfred Bauer stieg von 1933 in Höhe von 27.968 RM auf 398.491 RM im Jahre 1938.

Staatsarchiv Hamburg, 213-13 Dessauer, Walter Nr. 15932

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