Kein Problem mit Nazis-Geschichte – z.B. „Der Landser“

„… Partisanen zerstören wertvolle Nachschubgüter, sprengen Gleise und töten immer wieder Soldaten. Zufassen sind sie kaum, da sie sich in die unwegsamen Pripjat-Sümpfe zurückziehen, die die Deutschen militärisch nicht unter ihre Kontrolle bringen können. Eine neue Taktik muss her. Deswegen wird die SS-Kavallerie-Division verlegt , aus der später die 8. SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“ hervorgehen soll, in den Rückzugsbereich der „Waldbrüder“. Die Männer der Waffen-SS sollen dem Spuk ein Ende bereiten, doch sie wissen häufig nicht, wer Freund und wer Feind ist, wenn sie in ein Dorf einreiten. Der folgende authentische Bericht schildert die Jagd auf den unsichtbaren Gegner, des Verbündeter die Natur zu sein scheint und der plötzlich im Rücken der Landser auftauchen kann.“ (Der Landser, Nr. 2889)

Insbesondere während des Einsatzes zur „Bandenbekämpfung“ im besetzten Osteuropa werden den Einheiten der SS-Kavallerie-Division zahlreiche Kriegsverbrechen zur Last gelegt. So hat eine Abteilung der (damals) SS-Kavallerie-Brigade zwischen dem 1. und 12. August 1941 beim Einsatz in den Prypjatsümpfen über 14.000 Juden ermordet. Am 7. August 1941 meldete die Brigade 7819 ermordete Juden in der Gegend von Minsk. (Wikipedia)

Von 1957 bis 2013 erschien „Der Landser“ – ein wöchentlicher Groschenroman mit „Erlebnisberichten zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges“. Herausgeber war der Pabel Moewig Verlag, ein Unternehmen des Bauer Verlages. Auslöser für die Einstellung der Hefte war ein Gutachten des Historikers und Journalisten Stefan Klemp, der ein Gutachten über den „Landser“ angefertigt hatte. Die Vorwürfe waren drastisch: SS-Mitglieder und Kriegsverbrecher würden glorifiziert, Träger von Ritterkreuz-Orden unkritisch porträtiert. Doch den Holocaust und die Verbrechen der Wehrmacht suchte man vergebens wie auch Antworten auf die Frage, wer den Krieg verursacht hatte. Kein Wunder eigentlich, denn nicht einmal diese Frage wurde thematisiert.

Das Simon-Wiesenthal-Center, eine jüdische NGO mit Sitz in Los Angeles, hatte sich auf die Klemp-Studie berufen und die Bundesregierung aufgefordert, den Titel zu verbieten. Zuständig wäre das Bundesfamilienministerium gewesen, das sich damals herauswand mit dem Hinweis, der Verfassungsschutz und das Bundeskriminalamt müssten das prüfen. Diese wiederum verwiesen darauf, dass das Ministerium zunächst erst einmal eine Anzeige stellen müsste.

Auch der Bauer Verlag zeigte sich uneinsichtig, gab aber ein eigenes Gutachten in Auftrag. Und in einer Pressemitteilung vom 13. September 2013 heißt es dann: „Das unabhängige Rechtsgutachten des renommierten deutschen Strafrechtlers Otmar Kury … kommt zu dem Ergebnis, dass ,Der Landser’ im Einklang mit den in Deutschland strengen Gesetzen steht und darin weder der Nationalsozialismus verherrlicht noch verharmlost wird. … Die Geschäftsleitung … hat die rechtliche Prüfung zum Anlass genommen, die Publikation hinsichtlich der Portfoliostrategie des Unternehmens zu bewerten und entschieden, die Reihe nicht fortzusetzen.“

Ob Otmar Kury die Familie Bauer damals auch schon als Mandaten führte, war und ist nicht bekannt, aber zu einem späteren Zeitpunkt wurde der Jurist für die Familie tätig. Doch unabhängig davon befand auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften den „Landser“ jahrzehntelang als nicht bedenklich – zuletzt setzte sie eine Ausgabe des Titels 1984 auf den Index. 

Dass „Der Landser“ dennoch eingestellt wurde, war daher wohl letztlich dem Druck des Londoner Medienanwalts Bruce Fireman zu verdanken, der bei der britischen Rundfunkregulierungsbehörde Ofcom darauf hingewiesen hatte, dass der an dem Radiosender „Absolute Radio“ interessierte deutsche Bauer Verlag nicht „fit and proper“, also einwandfrei, sei. Und somit auch nicht geeignet, den Sender „Absolute Radio“ zu übernehmen. Und nicht nur das: Tatsächlich hätte Bauer offenbar sogar die Aberkennung aller bisher erworbenen Radio-Lizenzen in Großbritannien drohen können. 

Nach Abwägung aller Umstände schien dem Verlag die Aufgabe des „Landser“ wohl das geringere Verlustgeschäft zu sein. Der Ausbau des Geschäftsfeldes Radio, eine vornehmlich internationale Erweiterungsstrategie des Konzerns, war dem Hamburger Medienunternehmen zu bedeutsam. Dabei wäre ein Verbot oder sogar eine politische Entscheidung des Bauer Verlages eine Chance und ein Beitrag zur Aufarbeitung der Nazi-Zeit gewesen. Es hätte einen aktiven Abschied von alten Geistern und altem Denken bedeuten können, was auch für die Zukunft lehrreich gewesen wäre. Als ein wichtiges Signal, dass Kriegsverherrlichung und das Verschweigen nazistischer Verbrechen keinen Platz haben dürfen in der Medienlandschaft Deutschlands. Denn nachweislich können Postillen wie „Der Landser“ können für Jugendliche einen Einstieg in die rechte Szene bedeuten.

Heute ist Bauer Media nach Eigenangaben mit einem Marktanteil von 34 Prozent der größte private Rundfunkunternehmer in Großbritannien und europaweit das größte Radiohaus. 

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