Zwangsarbeitslager im Heinrich-Bauer-Haus (1943–1945)

Ab September 1943 wurden über 12.000 italienische Kriegsgefangene nach Hamburg deportiert, um als Zwangsarbeiter eingesetzt zu werden. Dafür wurden Massen-Gemeinschaftslager eingerichtet. Man benötigte sie für die Rüstungsproduktion, setzte sie als Pfleger in Krankenhäusern ein, zur Räumung von Verkehrswegen und zur Versorgung der Hamburger Bevölkerung oder zur Aufrechterhaltung verschiedener Produktionsstätten, insbesondere der Kriegsproduktion. Es fehlte an “deutschen” Handwerkern, die als Soldaten eingesetzt waren, um den sinnlosen Krieg der Nazis nur noch zu verlängern.

Die Nazis suchten in Hamburg hektisch nach Quartieren, in Schulen, in teilweise zerstörten Häusern. Dabei spielte das Kontorhausviertel in ihre Planungen für „Ersatzraum“ seit 1942 immer eine Rolle. Die durch das Bombardement im Juli 1943 zerstörten Gewerberäume waren durch einen Holzausbau schnell wieder zu verwenden. Das Heinrich-Bauer-Haus in der Schützenpforte 11, heute Burchardstraße 11, war 1943 teilweise zerstört worden, insbesondere das Dachgeschoss.

In den monatlichen Übersichten des Amtes für Kriegswichtigen Einsatz über den „Fortschritt“ bei der Schaffung von Zwangsarbeiterlager für die italienischen Militärinternierten wurde das Lager im Heinrich Bauer Haus/Schützenpforte per 30.11.1943 als im Bau befindlich bezeichnet.

Staatsarchiv Hamburg, 332-3, Architekt Gutschow B 95

In einem Aktenvermerk der Baupolizei von 14. Dezember 1943 wird auf die Fertigstellung des Lagers Bezug genommen.

Staatsarchiv Hamburg, 322-3 Akte Gutschow, B 90

In der Übersicht vom 31.10.1943 wurde das Heinrich Bauer Haus noch nicht aufgeführt.

Staatsarchiv Hamburg, 332-3, Architekt Gutschow B 95

Aus neuen Unterlagen ergibt sich, dass das Zwangsarbeitslager zum 23. Dezember 1943 belegt war.

Staatsarchiv Hamburg,

In einer Notiz vom 29. September 1944 wird auch noch einmal auf das Lager im Heinrich Bauer Haus Bezug genommen. Dabei ging es um den ärztlichen Dienst in den Zwangsarbeitslager der italienischen Militärinternierten. Das Lager in der Schützenpforte wird als „Massenquartier“ bezeichnet.

Staatsarchiv Hamburg, 352-12, Gesundheitsverwaltung Sonderakten

In der Planung von Ersatzraum in Hamburg war das Kontorhausviertel seit 1942 immer aufgeführt.

Staatsarchiv Hamburg, 322-3 Sonderakten Gutschow B 6

Warum das Amt für Kriegswichtigen Einsatz auf die drei Kontorhäuser Burchardstraße 1 und 11 (Schützenpforte) und Marschländerstraße 11 als Örtlichkeiten für Zwangsarbeitslager gekommen ist, ist nicht belegt.

Es gab eine regelmäßige Erhebung, wo Ersatzraum in Hamburg geschaffen werden kann und wie es um den Bestand an Baumaterialien dafür stand. Die Erhebung der Ersatzraummöglichkeiten wurde in einer Kartei erfasst.

Staatsarchiv Hamburg, 322-3 Sonderakten Gutschow B 23

Es gab diese auch für den Stand der Zerstörung von Gebäuden und deren Wiederherstellungsmöglichkeiten. Unwahrscheinlich ist, dass Bauer die Schaffung eines Zwangsarbeitslagers selber verfolgt hat.

Staatsarchiv Hamburg, 322-3 Sonderakten Gutschow B 23

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